NRW: „Pro“-Wahlkampf: Statt „Bombe“ nur ein Böller?

Posted on 23. April 2010 von


Köln – Glaubt man „pro NRW“, schreitet die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ im Wahlkampf von Erfolg zu Erfolg. Bei der wichtigsten konkurrierenden Truppe im Lager der extremen Rechten, der NPD, beginnt man freilich schon spöttisch auf die Wahlkampfanstrengungen von „pro NRW“-Chef Markus Beisicht & Co. zu reagieren.

Thorsten Crämer, NPD-Funktionär aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, der selbst Erfahrung hat bei der Produktion von Wahl(kampf)pleiten*, fragte angesichts der in weiten Teilen des Landes nicht oder kaum wahrnehmbaren Aktivitäten der Konkurrenz am Donnerstag in den Diskussionsspalten einer extrem rechten Internetplattform: „Wo ist denn der grandiose, millionenschwere Wahlkampf mit hunderten von Wahlkämpfern und Massen von Material?“ „Pro“ sei offenbar so „reich“, dass man Manfred Rouhs, den „pro Deutschland“-Chef, und Beisicht „höchstselbst“ beim Plakatieren in Bochum und Münster haben beobachten können. Crämer: „Für Eure finanzielle und personelle Allmacht spricht das ja nicht gerade.“ In der Tat war Rouhs nicht nur in Bochum persönlich beim Plakatekleben gesehen worden, sondern auch im benachbarten Dortmund.

„Pro“-Generalsekretär Markus Wiener gibt sich freilich ungerührt angesichts der Nörgeleien. „Schon jetzt sind wir in diesem Wahlkampf landesweit wahrnehmbar, und in Zukunft werden wir überall eine solche politische Schlagkraft entwickeln wie z.B. im Großraum Köln“, macht er auf Optimismus. Doch selbst die von ihm herausgegebenen Mitteilungen wecken Zweifel daran, dass „pro NRW“ tatsächlich landesweit in der Lage ist, Wahlkampf zu führen.

Ebenfalls am Donnerstag verbreitete die „Bürgerbewegung“ die Meldung, man habe in Südwestfalen in den letzten beiden Wochen „unter anderem“ in Hagen, Hamm, Unna, Kamen, Bergkamen, Iserlohn, Lüdenscheid, Hemer, Herdecke und Menden plakatiert und „über 20.000 Flugblätter in die Hausbriefkästen verteilt“. Selbst wenn man die genannte Zahl von 20.000 Flugblättern für realistisch halten würde – was angesichts der notorischen Rechenschwäche der „pro“-Oberen aber nicht angeraten sein dürfte –, relativiert sich die Erfolgsmeldung rasch.

Allein in den zehn aufgeführten Städten und ohne die („unter anderem“) möglichen weiteren südwestfälischen Kommunen, in denen „pro“ angeblich aktiv war, leben deutlich über 600.000 Wahlberechtigte. Rein rechnerisch hat also in zwei Wahlkampfwochen gerade einmal maximal jeder 30. von ihnen eines der Flugblätter erhalten.

Dass man überhaupt so aktiv werden konnte in Südwestfalen, führt der von „pro NRW“  als Politikwissenschaftler vorgestellte Wiener im Übrigen vor allem auf die von den „Republikanern“ zu „pro“ gewechselten Stadträte aus Hagen und Hamm, Wolfgang Schulz und Gerald Thörner, zurück. „Unsere neuen Mitstreiter vor Ort schlagen ein wie eine Bombe“, lässt er sich vollmundig zitieren. Böller, Kracher oder Knaller wären als Metapher wahrscheinlich passender. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2009/07/19/nebenbei-%e2%80%9ethorsten-cramer%e2%80%9c-und-wie-schwierig-es-ist-heutzutage-gutes-personal-zu-finden/

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