NRW: Auch „pro“ wirbt bei Russlanddeutschen

Posted on 19. April 2010 von


Köln – „Pro NRW“ weitet seine Wahlkampf-Agitation auf Aussiedlerinnen und Aussiedler aus Russland aus.

Neu ist die Idee nicht. Die NPD hat bereits 2007 erste Kontakte zu Russlanddeutschen aufgebaut und im Februar 2008 einen „Arbeitskreis der Russlanddeutschen in der NPD“ gegründet. Sie trug damit wahltaktischen Überlegungen Rechnung: Gut 2,5 Millionen Russlanddeutsche leben in der Bundesrepublik. Und da viele von ihnen sehr konservativ und häufig auch völkisch orientiert sind, bilden sie aus der Sicht extrem rechter Organisationen eine vielversprechende Zielgruppe, die bei Wahlen eine Menge Stimmen bringen kann.

Der NPD ist es in Nordrhein-Westfalen gelungen, im russlanddeutschen Milieu Fuß zu fassen. In Düren hat die „Schutzgemeinschaft ,Deutsche Heimat’ der Deutschen aus Russland“ ihren Sitz, die bereits 2008 durch gemeinsame Demonstrationen mit NPDlern von sich reden gemacht hat. Im oberbergischen Gummersbach ist ein „Freundeskreis ,Die russlanddeutschen Konservativen’“ ansässig, dessen Vorsitzender Andrej Triller als verantwortlicher Redakteur der Web-Publikation „Volksdeutsche Stimme“ auftritt. Die „Volksdeutsche Stimme“ wirbt umfassend für die NPD.

Dem russlanddeutschen Rechtsaußen-Netzwerk in NRW gehört auch die Zeitschrift „Ost-West-Panorama“ an. Das Blatt geriet im Herbst 2008 in erhebliche Schwierigkeiten: Der WDR berichtete, dass in ihm Texte von NPD-Autoren zu finden waren. „Eine ausgezeichnete Publikation!“, jubelten damals NPD-Funktionäre. Weniger begeistert war die CDU, als herauskam, dass ihr sowohl der Verleger als auch der Chefredakteur der Zeitschrift angehörten. Beide flogen in kürzester Frist wegen rufschädigenden Verhaltens aus der Partei.

Redakteur Heinrich Daub ist aber weiter aktiv. Erst im November vertrat er „Ost-West-Panorama“ auf der Jahrestagung der „Deutsch-Russischen Friedensbewegung“, einer weiteren Organisation des extrem rechten russlanddeutschen Milieus. Er habe vor „einheimischen Freunden und Gleichgesinnten sprechen“ können, berichtete Daub zufrieden über das Treffen, bei dem unter anderem eine Gedenkstunde für das kurz zuvor verstorbene NPD-Vorstandsmitglied Jürgen Rieger abgehalten wurde.

In Daubs Zeitschrift „Ost-West-Panorama“ hat „pro NRW“ nun eigenen Angaben zufolge einen Wahlaufruf in russischer Sprache sowie eine ganzseitige vierfarbige Anzeige platziert. Die Aktion ist Teil einer Kampagne, in deren Rahmen „pro NRW“ „tausende russlanddeutsche Familien aus Nordrhein-Westfalen“ per Post mit „Wahlaufrufen“ traktiert haben will.

Auch einen „Arbeitskreis Russlanddeutscher bei pro NRW“ habe man gegründet, teilt die Organisation mit und benennt als Leiter den Stadtrat Alexander Vogt aus dem bergischen Radevormwald. Vogt soll eigens „eine spezielle islamkritische Wahlkampagne expliziert (!) für Russlanddeutsche entwickelt“ haben.

Bereits vor „pro NRW“ hatten sich nicht nur die NPD, sondern auch die „Republikaner“ um Kontakte zu Russlanddeutschen bemüht – diese allerdings ohne spürbaren Erfolg. (jk)

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