NRW: NPD-Richtungsstreit um „Nebensächlichkeiten“?

Posted on 8. März 2010 von


Bochum – Ein Richtungsstreit innerhalb der nordrhein-westfälischen NPD, der etwas mit der Kandidatur des parteilosen Neonazis Axel Reitz bei der Landtagswahl im Mai zu tun hat? So etwas gibt es nicht, glaubt man Landesorganisationsleiter Timo Pradel und Thorsten Crämer, Kreisschatzmeister und Wahlkampfleiter der NPD im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Man werde jenen, die es „gerne sähen, wenn die NRW-NPD sich nicht mit Unterschriftensammlung und Wahlkampf beschäftigen würde, sondern sich wegen Nebensächlichkeiten in die Haare geriete“ diesen Gefallen nicht tun, schrieb Crämer dieser Tage in den Kommentarspalten einer extrem rechten Internetplattform. Dort war die Berichterstattung hier an dieser Stelle (https://nrwrex.wordpress.com/2010/02/22/dn-donnernder-applaus-fur-%e2%80%9ens-hollywood-clown%e2%80%9c/) und beim „blick nach rechts“ (http://www.bnr.de/content/absage-an-den-ns-hollywood-clown) über die Differenzen in der Landes-NPD aufgegriffen und zugespitzt worden.

Crämer nahm sogar Axel Reitz (ein wenig) in Schutz: „Seit seiner Haftentlassung habe ich keinen Grund mehr erkennen können, Axel Reitz so zu kritisieren, wie es zu Zeiten des KDS notwendig erschien.“ Dass dessen Meinung in vielen Punkten „von der meinen abweicht, sowohl, was die Bewertung der deutschen Vergangenheit betrifft, als auch in puncto Zielvorstellungen des politischen Handelns heute, ist Fakt, aber das ist legitim“. Die NPD, der Reitz ja nicht einmal angehöre, umfasse „unterschiedliche Strömungen und Flügel, wobei jedoch allen eines gemeinsam ist: Die Rettung unseres Landes und Volkes hat absolute Priorität vor allen Nuancen“, schrieb Crämer.

Organisationschef Pradel stimmte ihm kurz darauf an gleicher Stelle zu: „Die Hineininterpretierung eines ,Richtungsstreits’, der die NRW-NPD derzeit angeblich ,erschüttert’ kann man eigentlich nur als unseriöse Berichterstattung zurückweisen.“ Friede, Freude, Eierkuchen also im Landesverband? Fast mochte es so scheinen, als Reitz jetzt in einem Interview, scheinbar ebenfalls um Schadensbegrenzung bemüht, sagte: „Aus der für jeden halbwegs Informierten offensichtlichen Tatsache des Bestehens verschiedener Strömungen und gegensätzlicher Anschauungen nun eine Auseinandersetzung, welche die Reihen der NPD in NRW durchzittern soll, zu konstruieren, ist nur ein billiger und leicht zu durchschauender Versuch der eigennützigen Stimmungsmache sogenannter ,politikfähiger’ Kreise.“

Doch Reitz begann sogleich zu differenzieren. „Hier in der Region“ – damit meinte er offenbar vor allem die Dürener NPD mit ihren Ablegern im Rhein-Erft-Kreis – würden „Partei und freie Kräfte erfreulicherweise sehr eng – und ich möchte sagen auch sehr erfolgreich“ zusammenarbeiten. Überraschend kommt diese Differenzierung nicht, hatte doch Dürens Kreisvorsitzender Ingo Haller unmittelbar nach seiner Wiederwahl am 20. Februar seine Absicht erklärt, „den Dürener Verband der NPD weiter als Bollwerk der radikalen Kräfte gegen die Reaktion im eigenen Lager auf- und ausbauen zu wollen“.

Sein Verhältnis zur Landes-NPD wollte Reitz demgegenüber im Interview lediglich „im allgemeinen als gut“ bezeichnen. Er halte, hieß es zurückhaltend, „kameradschaftlichen Kontakt sowohl zu verschiedenen regionalen Verbänden als auch zu Mitgliedern des Landesvorstandes und zum Landesvorsitzenden Claus Cremer selbst“. Und um nun wirklich nicht missverstanden zu werden, schob er später noch einmal nach, seine Betonung einer sehr engen Zusammenarbeit habe sich „explizit nicht auf die NPD NRW als solche und schon gar nicht auf die NPD in ihrer Gesamtheit“ bezogen.

Ansonsten setzt Reitz auf eine Radikalisierung der NPD. Er halte es für „ausgeschlossen, dass die bürgerlichen und an längst überlebten Formen festhaltenden sog. ,realpolitischen’ Kräfte auch nur ansatzweise imstande sein werden, einen solchen Kampf (gemeint ist der Kampf um ,Deutschlands Erneuerung und Gesundung’, d. Red.) erfolgreich zu führen“. Ihr ganzes Denken sei „systemkonform“. An diesen „bürgerlichen“ Kräften der extremen Rechten beklagt Reitz deren „Unvermögen und ihren Unwillen dem System den Krieg zu erklären“. (ts)

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