BO: Nie wieder „Freiheit Wattenscheid“?

Posted on 6. März 2010 von


Bochum – Fast zwei Jahrzehnte wurde in Wattenscheid die extrem rechte Stadtteilzeitung „Freiheit Wattenscheid“ (FW) herausgegeben. Wie es scheint, hat sie ihr Erscheinen endgültig eingestellt.

75 Ausgaben des über lange Zeit NPD-nahen Blattes wurden seit 1990 veröffentlicht. Das letzte Heft erschien im vorigen Jahr. Zu diesem Zeitpunkt war die Liaison mit der NPD und insbesondere mit dem örtlichen Kreisvorsitzenden Claus Cremer schon beendet.

Cremer hatte ein Sakrileg begangen – jedenfalls in den Augen des „Freiheit Wattenscheid“-Herausgebers Michael Frank – und angekündigt, anders als fünf Jahre zuvor bei der Kommunalwahl 2009 nicht nur für die Bezirksvertretung Wattenscheid, sondern auch für den Bochumer Stadtrat kandidieren zu wollen.

Das empörte Frank, der die Eingemeindung Wattenscheids nach Bochum in den 70er Jahren nie verwunden hat und der stets gegen „Eingemeindungsverbrecher“ wütete. In seinem Blatt war meist in Kleinschreibung von „bochum“ die Rede, um der Verachtung gegenüber der „verbotenen Stadt“ Ausdruck zu geben. „Zugunsten einer besseren Büroausstattung“ habe Cremer die „NPD Wattenscheid in NPD bochum eingemeindet“, ließ die FW im vorigen Jahr enttäuscht wissen. „Wählerverrat“ habe Cremer damit begangen.

In einem Kommentar auf der neonazistischen Internetplattform „Altermedia“ meldete sich dieser Tage ein Autor „freiheit“ zu Wort, ein Pseudonym, das in der Vergangenheit von Frank bzw. von jemandem aus seinem direkten Umfeld benutzt worden ist. „freiheit“ teilt mit, Cremer habe jede Zusammenarbeit eingestellt, als die FW erklärt habe, dessen „Betrug an Wähler und Heimatstadt nicht mitzumachen“. Die „NPD-Aktivisten aus Wattenscheid“ hätten auch nicht mehr bei der Verteilung geholfen. Deswegen und da „einige Aktivisten durch familiäre Umstände eingeschränkt wurden“ habe die „Freiheit Wattenscheid“ 2009 ihr Erscheinen eingestellt.

Das Konzept einer solchen Stadt(teil)zeitung hält „freiheit“ aber nach wie vor für richtig: „Es bleibt zu hoffen, daß entsprechende unabhängige örtliche volkstreue Publikationen nicht nur in Mitteldeutschland gegründet werden, sondern gerade auch im Ruhrgebiet. Dortmund würde sich dafür anbieten, wo eine gewisse Masse vorhanden ist, um die nötige Unterstützung dauerhaft zu garantieren.“ (ts)

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