Nebenbei: Von Wilders lernen, heißt siegen lernen?

Posted on 5. März 2010 von


Leverkusen – Von Geert Wilders lernen, heißt siegen lernen, denkt sich „pro NRW“-Chef Markus Beisicht und gratuliert dem niederländischen Rechtspopulisten zu seinem Erfolg bei den Kommunalwahlen vom Mittwoch.

Beisicht wäre nicht Beisicht, würde er einfach so gratulieren. Nein, sogar in einem „persönlichen Brief“, so lässt der Rechts-Anwalt aus Leverkusen ausdrücklich Nach- und Umwelt wissen, um sich annähernd auf Augenhöhe mit dem Wahlsieger im westlichen Nachbarland zu hieven, drückte er seine Glückwünsche zu dem „sensationellen“, „phänomenalen“ und „überragenden“ Erfolg aus. Ein Erfolg, der so „sensationell“ war, dass journalistische Beobachter der niederländischen Politik seit Wochen prognostiziert hatten, dass die Wilders-Partei PVV in den beiden Städten, in denen sie kandidierte, um den Platz der stärksten Partei konkurrieren und dort bei rund 20 Prozent landen würde.

So kam es dann auch: In Almere wurde die PVV mit 21,6 Prozent stärkste Kraft, in Den Haag mit 17,6 Prozent zweitstärkste. Besorgniserregend ist das wohl, „sensationell“ etc. für auch nur halbwegs kundige Beobachter der niederländischen Politik aber keineswegs.

So oder so: Beisicht träumt nun von ähnlichen Ergebnissen. „FPÖ, Vlaams Belang, die SVP sowie Geert Wilders zeigen, welche Möglichkeiten eine seriöse Rechtspartei hat. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird beweisen, dass die deutschen Partner von Geert Wilders in Gestalt der pro-Bewegung ebenfalls Wahlerfolge in ähnlicher Größenordnung erzielen können.“

Nebenbei: Dass Wilders es bisher tunlichst vermieden hat, sich „deutsche Partner“ zu suchen, gehört zu den Feinheiten, mit denen sich Beisicht nicht aufhalten mag, solange die Chance besteht, dass ein schmaler Schein von Wilders‘ „Glanz“ auf seine, sich hochtrabend „Bürgerbewegung“ nennende Truppe abfällt.

Als „vorbildlich und nachahmenswert“ bezeichnet Beisicht Wahlkampagne des holländischen Rechtsaußen, die durch Islamfeindlichkeit und (kultur-)rassistische Töne gekennzeichnet war. Wilders habe sich als „Eisbrecher“ erwiesen, meint er.

Und wie immer schielt die „pro“-Truppe auf die mediale Resonanz. Entdeckt hat „pro NRW“ unter anderem einen Beitrag, der angeblich in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist und sich mit einem „Erfolg der pro-Bewegung bei den kommenden Landtagswahlen im Format eines Geert Wilders“ beschäftigen soll. „Der Kommentator Volker Schmidt“, so schreibt Beisichts Internet-Administrator, „sieht pro NRW ganz klar auf einem Kurs, der Geert Wilder PVV sehr nahe kommt. Die Landtagswahlen am 9. Mai stehen für pro NRW also unter äußerst günstigen Vorzeichen.“

In der Süddeutschen Zeitung ist freilich ein solcher Text nicht erschienen. Volker Schmidt schreibt für die Frankfurter Rundschau. Dort hat er Wilders Erfolg kommentiert und auch die Chancen von „pro NRW“ in den Blick genommen, ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Diese Chancen schätzt er nicht allzu hoch ein. Warum er den bundesdeutschen Rechtsaußen Vergleichbares nicht zutraut, das verrät bereits die Überschrift seines Beitrags: „Zu dumm für den Erfolg“ (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2383440_Zu-dumm-fuer-den-Erfolg.html). (rr)

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