SI: Neonazis mimen Unschuld vom Lande

Posted on 23. November 2009 von


Siegen – Siegens Neonazis mimen die Unschuld vom Lande. Sie empören sich über Platzverweise, die von der Polizei am Samstagabend gegen einige von ihnen verhängt wurden, und darüber, dass offenbar vier Leute aus ihren Reihen in der Nacht zum Sonntag in Gewahrsam genommen wurden.

„Willkürlich“ und „rechtswidrig“ seien die Platzverweise für Innenstadt, Altstadt und gewisse „schutzbedürftige“ Gebäude und Straßen gewesen, jammern die „Freien Nationalisten Siegerland“ auf ihrer Homepage. Ein Rückblick auf die letzten Wochen zeigt hingegen, dass von einer „willkürlichen“ Entscheidung nicht die Rede sein kann. In den letzten Wochen häuften sich die Sachbeschädigungen und andere Straftaten, die mutmaßlich von Siegener Neonazis begangen wurden – in einigen Fällen auch nach der Rückkehr von auswärtigen Demonstrationen, so wie am Samstag, als die Siegener „Kameraden“ an einem Neonazi-Aufmarsch in Remagen teilgenommen hatten.

Ein Rückblick auf einige Ereignisse der letzten dreieinhalb Monate:

Anfang August wird das linksalternative Kulturzentrum VEB mit Gläsern beworfen, die mit Farbe gefüllt waren. Sachschaden: 5000 Euro. Aufkleber der NPD und der „Freien Nationalisten Siegerland“ werden am Tatort gefunden. Das Kulturzentrum klagt anschließend über „eine ganze Kette von gezielten Attacken der rechten Szene gegen den VEB und seine Besucherinnen und Besucher in den vergangenen Monaten“. Die Palette reiche „vom Einbruchsversuch, über diverse Sachbeschädigungen, bis hin zu massiven Einschüchterungsversuchen und Bedrohung von Personen“.

Vier Wochen später, am Abend der neonazistischen „Antikriegstags“-Demonstration in Dortmund, bewerfen nach Zeugenangaben 15 bis 20 vermummte Neonazis die VEB-Fassade mit Flaschen.

Die nächste Farbattacke ereignet sich in der Nacht zum 24. Oktober; diesmal ist die Farbe in Plastikbeuteln abgefüllt, die gegen die Hauswand geworfen werden.

Eine Woche später – am Abend nachdem Siegener Neonazis an einer Demo in Aachen teilgenommen hatten – ist der VEB erneut das Ziel: Mit Farbe gefüllte Weihnachtsbaumkugeln fliegen gegen die Wand.

In der gleichen Nacht ist auch das Haus in Netphen, in dem der Sprecher der VVN-BdA Siegen (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) wohnt, Ziel einer Attacke: Ein schwerer Stein durchschlägt ein Fenster des Hauses. Der VVN-Sprecher kritisiert gegenüber der Westfälischen Rundschau, dass die Polizei derartige Vorkommnisse nicht bekannt gebe: „Wir brauchen eine öffentliche Auseinandersetzung damit.” Das Zurückhalten der Meldungen spreche für eine „zynische Einstellung” zum Thema.

In der Nacht zum 7. November trifft es dann wieder den VEB: wieder mit Weihnachtsbaumkugeln, die mit Farbe gefüllt sind.

In der Nacht zum 16. November schließlich sprayen Unbekannte an die Außenfassade des „Aktiven Museums Südwestfalen“ die Parolen „NS Revolution“ und „Gegen das System und seine Feinde“. Das Museum dokumentiert die regionale Geschichte des Judentums und erinnert auch an weitere Opfergruppen des Nationalsozialismus.

Die vier Neonazis, die die Polizei nach Angaben der „Freien Nationalisten Siegerland“ in der Nacht zum vorigen Sonntag in Gewahrsam nahm, weil sie ihren Platzverweis nicht beachtet hatten, waren im Übrigen von einer Streife in der Frankfurter Straße kontrolliert worden. Sie führt von der Stadtmitte in Richtung VEB. (ts)

Siehe auch:

https://nrwrex.wordpress.com/2009/09/16/si-npd-kandidat-schlug-mit-bierflasche-zu/

http://siegen.blogsport.de/

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